Die Kinderbetreuung hat in
einer Stadt wie Nürnberg
einen hohen kommunalpolitischen Stellenwert und ist auch aus Sicht der
hier ansässigen Unternehmen von großer Bedeutung. Die Studie „Wohin
mit den Kindern? – Kinderbetreuung als wichtige Voraussetzung für
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ untersucht die Betreuungssituation
von Kindern unter 3 Jahren. Unter der Federführung des Bündnis für Familie (Referat
für Jugend, Familie und Soziales) waren an der Realisierung beteiligt:
- Das Amt für Wirtschaft (Wirtschaftsreferat)
- das Umweltamt (Referat
für Umweltfragen)
- das Amt für Stadtforschung
und Statistik
- das Jugendamt
- und die Frauenbeauftragte
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:
- Immer mehr Mütter wollen heute Beruf und Familie sinnvoll
miteinander verbinden. Als eine der wichtigsten Voraussetzungen für
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird übereinstimmend ein
ausreichendes Betreuungsangebot für die Kinder genannt. Dabei
muss dieses Angebot vor allem zeitlich besser auf die jeweilige Arbeitssituation
abgestimmt sein.
- Das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren ist in Deutschland
mit nur 2,8 % Versorgungsquote in den alten Bundesländern (in
Bayern sogar nur 1,4 %) deutlich zu niedrig.
- Es ist erwiesen, dass Investitionen in die Kinderbetreuung auch
aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll sind. Im Schnitt bringen
die eingesetzten Finanzmittel
einen bis zu vierfachen Mittelrückfluss in die öffentlichen
Haushalte. Dabei handelt es sich vor allem um Mehreinnahmen bei der Steuer
und den Sozialversicherungen, aber auch um Minderausgaben bei der Sozialhilfe
als Folge einer vermehrten
Berufstätigkeit von Frauen. Dies haben Studien in der Schweiz
und in Deutschland eindeutig belegt.
- In dieser Studie wird deutlich, dass
es der Wunsch der meisten Erziehenden ist, ihre Kinder schon vor
dem Kindergartenalter mit Gleichaltrigen zusammenzubringen,
insbesondere findet man diesen Wunsch bei der Vielzahl der Eltern
von Einzelkindern. Aber auch alleinerziehende Frauen sind auf eine
entsprechende
Kinderbetreuung angewiesen, wenn sie einer Berufstätigkeit nachgehen
wollen oder müssen.
- Der beängstigende Rückgang der Geburtenrate
in Deutschland auf nur noch 1,34 Geburten (im internationalen Vergleich
liegt Deutschland
auf Platz 180 von 191
erfassten Staaten!) macht unter anderem deutlich, dass es sich immer
weniger Frauen vorstellen können, Beruf und Familie erfolgreich
miteinander zu vereinbaren. Auffällig ist, dass
gerade hoch qualifizierte und beruflich engagierte Frauen häufig
kinderlos bleiben. 40 % der Akademikerinnen haben keine Kinder und
rund 25 % – 33 % aller jungen Frauen werden voraussichtlich
keine Kinder bekommen.
- Wenn
spätestens bis 2010 der sich abzeichnende Arbeitskräftemangel
auch in Deutschland zu Problemen führen wird, ist unter anderem
auch eine ausreichende Betreuung auch von Kindern unter 3 Jahren notwendig,
um das – mittlerweile immer besser qualifizierte - weibliche Arbeitskräftepotential
zu aktivieren. Arbeitgeber reagieren schon heute mit einer zunehmend
familienfreundlicheren Ausgestaltungen ihrer Arbeitsangebote auf den
sich abzeichnenden Mangel. Sie haben erkannt, dass vor allem eine Flexibilisierung
der Arbeitszeiten notwendig ist, um insbesondere Frauen eine Berufstätigkeit
neben der Familie zu ermöglichen.
- In Nürnberg lebten 2001 in
ca. 261.000 Haushalten etwa 499.000 Menschen. Nur noch 12,7 % von
ihnen sind unter 15 Jahre alt. Zur Gruppe
der unter
3-jährigen zählten 2002 etwa 12.800 Kinder. Mit 2,5 % liegt
ihr Anteil an der Bevölkerung – ebenso wie in vergleichbaren
Großstädten – deutlich unter dem deutschen Durchschnitt
von 3,9 %.
- Für die 12.800 Kinder unter drei Jahren stehen in Kinderkrippen
235, in Einrichtungen der Tagespflege 370 und in Netzen für
Kinder und Kindergärten 165 Betreuungsplätze (zusammen
770) zur Verfügung.
Dies entspricht einer Versorgungsquote von 6,1 %.
- Bei der Haushaltsbefragung
der Stadt Nürnberg im Jahr 2001
erklärte
mehr als die Hälfte der Familien mit Kindern unter 3 Jahren,
dass sie wegen der Betreuung von Kindern oder Angehörigen gehindert
sind, berufstätig zu sein. Bei allein Erziehenden lag die Quote
sogar bei 73 %.
- Bei der Befragung nach den gewünschten Ausgabenprioritäten
der Kommune wird der Aufgabenbereich Kindergärten, -krippen und –horte
seit 1990 immer an zweiter bzw. dritter Stelle der Bereiche genannt,
für die mehr Geld aufgewendet werden soll.
- In städtischen Kinderkrippen liegt die Nachfrage etwa 6-7
mal höher
als freie Plätze vorhanden sind. Diese hohe Nachfrage bedeutet für
die Stadt Nürnberg eine große Herausforderung. Bis zum Jahr
2008 hält das Jugendamt die Schaffung von ca. 240 neuen Krippenplätzen
und damit eine Verdoppelung des bestehenden Angebotes für realistisch.
Damit würde für diesen Bereich eine Versorgungsquote von
etwa 3,7 %
erreicht.
- Doch auch damit wird der künftige Bedarf nur unzureichend
befriedigt. Daher muss ergänzend das Angebot an Tagespflegeplätzen
gefördert
und ausgebaut werden.
Gesucht sind aber auch Modelle, bei denen die Arbeitgeber zusammen
mit den Öffentlichen Händen (auch unkonventionelle) Wege
suchen, die Betreuungssituation für unter 3-Jährige Kinder
rasch weiter zu verbessern.
- Die politisch Verantwortlichen müssen
die Weichen stellen und gemeinsam mit der Wirtschaft nach Lösungen
suchen. Betriebe müssen
flexiblere Arbeitszeitmodelle einführen, die auch den Bedürfnissen
der Familien und Kinder gerecht werden. Eine intelligente und bedarfsorientierte
Unterstützung von Modellen betrieblicher Kinderbetreuung ist erforderlich.
- Regionale
und bundesweite Netzwerke sind erforderlich, um ein kinder-
und familienfreundliches Klima in Deutschland voranzutreiben.
- Die Stadt Nürnberg bietet
durch das Bündnis für
Familie ihre Unterstützung für interessierte Arbeitgeber
aber auch für betroffene Eltern bei der Realisierung von Betreuungsmodellen
an.
Für Rückfragen steht Ihnen beim Bündnis für Familie
Herr Lehmann
Tel.: 0911 231 7360 zur Verfügung.
Nürnberg im September 2003
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