Gute Voraussetzungen für Vernetzung 2001
In Nürnberg besuchen weit über 90 % aller Kinder zwischen
drei und 6 Jahren einen Kindergarten. Kindertageseinrichtungen sind im
unmittelbaren Lebensumfeld von Familien verankert, von daher sind sie
prädestinierte Orte, um Familien, auch präventiv, zu erreichen
und können damit direkte und unmittelbare Unterstützungs- und
Vernetzungsleistungen für Familien erbringen.
Mit diesem Hintergrund wurde auf Initiative des Bündnisses für
Familie in Kooperation mit dem Jugendamt Nürnberg und dem städt.
Kindergarten Bleiweiß 2001 das Modellprojekt „Kindertageseinrichtungen
als Orte für Familien“ im Bündnis für Familie gestartet.
In der Modelleinrichtung Bleiweiß sollte die Öffnung der Kita,
beginnend mit 3 Modulen (Vermittlungsberatung, Erprobung einzelner innovativer
Projekte, Verbesserung/Abstimmung eines familiengerechten/bedarfsorientierten
Angebots im Wohnumfeld), entwickelt und erprobt werden.
Entwicklung
Organisationsstruktur zur Implementierung von:
Orte für Familie

(bitte Klicken Sie auf das Bild)
Am Modellprojekt „Kindertageseinrichtungen
als Orte für
Familien“ im
Bündnis für Familie sind seit 2002 Kindertageseinrichtungen
(wie Krippen, Kindergarten, Horte) unterschiedlichster Träger aktiv
beteiligt. Sie haben ihre Einrichtung für Familien und Bürger(innen)
des Wohnumfeldes geöffnet und somit ihre individuellen Angebote
erweitert und trägerübergreifende Netzwerke geschaffen. Die
Entwicklung der Kita zu Orten für Familien erfolgte vor Ort im Team.
Somit entstand ein sehr individueller Ansatz mit dem Anspruch den Familien
mit ihrer Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit, unter Berücksichtigung
der unterschiedlichen Ressourcen der pädagogischen Mitarbeiter(innen)
und der Rahmenbedingungen, gerecht zu werden.
Dazu hat die trägerübergreifende Projektgruppe der Kitas „Kindertageseinrichtungen
als Orte für Familien“ eine Rahmenkonzeption Kindertageseinrichtungen
als Orte für Familien – integrierte Familienarbeit in Kindertageseinrichtungen
entwickelt. Die Konzeption (siehe Kapitel Weitere
Informationen) beschreibt
die unabdingbare pädagogische
Basis für integrierte Familienarbeit. Wichtige Schlüsselkompetenzen
sind, neben anderen, auch die pädagogisch-fachliche Profilierung
der Mitarbeiter(innen), eine wesentliche Voraussetzung für die Qualitätssicherung
von Familienzentren.
Um die Umsetzung und Entwicklung neuer Arbeitsansätze der Kindertageseinrichtungen
auf möglichst vielen Ebenen zu sichern und
deren Weiterentwicklung zu begleiten und zu unterstützen bedurfte
es einer trägerübergreifenden Organisationsstruktur innerhalb
des Bündnisses.
Projektinhalte: „Kindertageseinrichtungen als Orte für
Familien“
- Die Veränderung des Profils: Die Kindertageseinrichtung soll zu einer
Einrichtung für die ganze Familie werden. Jeder kann sich aktiv einbringen
und mitwirken.
Dies geschieht z. B. durch Nutzung der räumlichen und personellen Ressourcen,
sowie Ressourcen von Eltern, Besuchern, Ehrenamtlichen, Senior/-innen.
- Mehr Transparenz für Eltern und Familien durch die Öffnung der Kindertageseinrichtung
.
- Familien erhalten in den Einrichtungen die Möglichkeit, Kontakte
zu anderen Familien aufzunehmen: Z. B. durch Info- und Erfahrungsaustausch,
Hilfestellung untereinander, Bildung von Freundschaften und kleinen
Netzwerken.
- Präventive Unterstützung von Familien durch niedrigschwellige Beratung
und Elternbildungsangebote im Wohnumfeld.
- Vernetzung von Angeboten
sozialer und kultureller Einrichtungen: Deren Angebote werden zielgerichtet
auf die Bedürfnisse von Familien im Wohngebiet abgestimmt und trägerübergreifend
Ressourcen genutzt.
- Kontakte zwischen den Generationen ermöglichen.
- Wertfreier und empathischer
Umgang mit Kindern aber auch mit Familien als
Kennzeichnen von erfolgreicher Beziehungsarbeit.
Diese Inhalte werden durch Module umgesetzt
Die Kita als Orte für Familien bietet Eltern folgende Angebotsmodule
an:
- Elternbildungsangebote
- Aktive Einbindung von Eltern und Ehrenamtlichen
- Selbstorganisierte Projekte
- Vernetzung auf Stadtteilebene
- Kooperationsangebote mit anderen Einrichtungen
- Vermittlungsberatung
für Eltern und Familien
- Niedrigschwellige wohnortnahe Beratungsangebote
- Räume vermieten
- Infosystem
Einblick in die Praxis
1. Elternbildungsangebote
Ein großer Teil der Kindertageseinrichtungen, die als Orte
für Familien arbeiten, liegen in Stadtteilen mit
hohem Migrantenanteil und hoher Bebauungsdichte. Deren Elternbildungsangebote,
in der Regel mit Kinderbetreuung in der Einrichtung, richten sich
auch an Eltern mit Migrationshintergrund. Muttersprachliche Bildungsangebote,
wie in türkischer Sprache, werden bei Bedarf organisiert, meist
jedoch dolmetschen Eltern verschiedenster Sprachzugehörigkeit
untereinander.
Vielfach beginnen Kindertageseinrichtungen bereits mit Krabbelgruppen,
Miniclubs, Eltern-Kind-Gruppen, Kinderspielgruppen, wie beispielsweise
bei der AWO mit seinen Kleinkindspielkreisen, mit der grundlegenden
Basisarbeit bzw. dem Beziehungsaufbau zu Eltern. Darüber hinaus
können Eltern aller Einrichtungen (ab Schwangerschaft bis zur Einschulung)
an den aufsuchenden Elternbildungsprogrammen der AWO: Opstapie, Hippy
und PAT teilnehmen. Weitere stadtweite Elternbildungsangebote finden
sich in der Kita-Einrichtung Netz für Kinder des BRK in
der Nunnenbeckstrasse.
Elternbegegnungsmöglichkeiten, wie Elternecke, Eltern-Kind-Frühstück,
schaffen Kontakte, bieten Info- und Erfahrungsaustausch und können
ggf. das Entstehen von Freundschaften und gegenseitiges Helfen von Eltern
bewirken. Eltern, die länger in der Einrichtung verweilen, lassen
sich durch persönliches Ansprechen und durch Mundpropaganda in stärkerem
Maße für Elternbildungsangebote gewinnen.
Die
Elternbildungsangebote der Kitas umfassen eine große Spannweite.
Sie reicht von Themen, wie Eltern die gesunde Entwicklung, Sprach-
und Leseförderung
ihrer Kinder zu Hause unterstützen können – Beispiel: Leselatte der
Stadtbibliothek – bis zu Fragen zur seelischen Gesundheit – Beispiel: Gewaltprävention – der
Familie beitragen können. Einige
Kitas wie der ev. Kindergarten Julienstrasse und die städt.
Kindertagesstätte Kerschensteinerstr. haben nach dem schwedischen
Vorbild ihre eigenen Elternbildungsgesprächsreihen entwickelt.
Bei den Mapa-Papa-Tagen im Kindergarten Ossietzkystrasse präsentieren,
erklären und spielen Kinder zusammen mit Unterstützung der
Fachkräfte das Erlernte mit ihren Eltern.
Nur wenige Kitas, wie Momo und Stapf, können hauseigene Elterntrainings
anbieten. Elterntrainings des Kinderschutzbundes Starke Eltern,
starke Kinder in deutsch und türkisch finden daher
in den Kitas des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Kinderhaus Globus,
bei den Südstadtstrolchen und anderen Kitas unterschiedlicher Träger
statt.
Ein neues Projekt des Jugendamtes ermöglicht, Elterntrainings in
vielen Kindertages-einrichtungen zu verorten, indem je eine Erzieherin
aus der Einrichtung die PAT-Elterntrainingsausbildung
absolviert.
Ein Beispiel anderer Art zeigt sich im Kinder- und Jugendhaus Stapf
mit vier Kitas in Zusammenarbeit mit der Behindertenseelsorge der Erzdiözese
Bamberg. Hier können Eltern von behinderten und von Behinderung
bedrohten Kindern und nicht behinderten Kindern in verschiedenen Veranstaltungen
in Gesprächskreisen mit externen Fachleuten und Praktikern miteinander
in Kontakt und Austausch kommen. Derzeit befindet sich der Stadtteilkindergarten
im Kinder- und Jugendhaus Stapf im Ausbau zum Familienzentrum. In seinen
neu entstehenden Räumlichkeiten werden die Elternbildungsprogramme
und Familienangebote für die Stapf-Kita-Eltern und für Familien
aus dem Stadtteil mit den Schwerpunkten Gesundheit, Erziehung und Sprachförderung
gebündelt sein.
2. Aktive Einbindung von Eltern und Ehrenamtlichen
Einbindung von Eltern und Ehrenamtlichen zur Unterstützung der
Kita hat Tradition. Meist ist es der Elternbeirat und einige Aktive die
bei Feiern, Festen und Unternehmungen mitwirken, organisieren und praktische
Aufgaben übernehmen.
Um die Bedürfnisse von Eltern stärker zu berücksichtigen,
laden Kitas mit unterschiedlichen Angeboten (Elternecke, Elterncafes,
Familienbibliothek usw.) Eltern zum Verweilen, Austausch, Mitgestalten
und Mitmachen ein. Die Kita Momo hat als festen Bestandteil
ihrer Konzeption, auch im Sinne einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft
mit Eltern, einen regelmäßigen Elterndienst integriert.
Andere Einrichtungen bieten Eltern Hospitationsmöglichkeiten an.
All das erhöht die Arbeitstransparenz und soll Eltern für mehr
ehrenamtliches Engagement gewinnen. 
Einige Eltern übernehmen eigenständig Kinderangebote (wie
z. B. Basteln, Vorlesen, Schlaumäuse, Lern- und Hausaufgabenbegleitung).
Hin und wieder trainieren Väter für eine Saison die Kinderfußballmannschaft
wie im AWO-Martin-Bächer-Haus und im städt. Hort Wandererstrasse.
Besondere Formen des Elternengagements finden sich, wenn Eltern in Eigenregie
den Tag der offenen Tür für interessierte neue Eltern, Elternkommunikationsmöglichkeiten
(wie Elterncafe, Elternstammtisch in der Kita) und Ausstellungen organisieren,
Elternbildungs- und Freizeitangebote (wie Deutschkurs für Eltern)
machen oder einen Elternförderverein (Kita Franz-Reichel-Ring) gründen.
Das Sprachförderungsprogramm SpiKi des
Jugendamtes, wird mit den zwei Elementen Lesefreude und Literacy-Center,
in erfolgreicher Kooperation mit den Ehrenamtlichen des Zentrums
aktiver Bürger (ZAB) in den Kitas umgesetzt.
Ehrenamtliche Senioren(innen) engagieren sich mit Basteln, Vorlesen,
Mitmachen usw. in nahegelegenen Kindertageseinrichtungen.
3. Vermittlungsberatung:
In Alltags- und Elterngesprächen bieten die Kita-Teams fachkompetente
Beratung. Anliegen, Fragen und Probleme von Familien können sich
jedoch auf mehrere Lebensbereiche erstrecken. In der Vermittlungsberatung
erarbeiten die Kita-Fachkräfte mit den Informationssuchenden gemeinsam,
welchen Beratungsfeldern das Anliegen zuzuordnen ist. Informationen über
mögliche Hilfsangebote werden weitergegeben und konkrete Ansprechpartner(innen)
benannt.
Eine Vermittlungsberatung umfasst vor allem die Bereiche:
Erziehung, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, Krisensituationen
in Familien, Treffmöglichkeiten, Gesundheit, Schule, Arbeit, Wohnen,
Fragen von Migranten(innen).
Einige Kitas kooperieren mit dem Beratungsdienst des Sprungbrett e.V.
Andere Einrichtungen wie die Kindergärten Wandererstrasse, Ossietzkystrasse
und Elsa-Brandström-Strasse ermöglichen bedarfsorientierte
Sprechstunden der städtischen Familien- und Erziehungsberatung vor
Ort. Das Martin-Bächer-Haus der AWO organisiert bei Bedarf Beratungsstunden
eines türkischen Psychologen. Für die Kita-Eltern im Kinder-
und Jugendhaus Stapf gibt es Erziehungsberatung des Stapf-Fachdienstes
in russischer Sprache. Des Weiteren stehen den Kitaeltern des Stapf die
Sprechstunden des Stapf-Jugendmigrationsdienstes und die Sprechstunden
der Ergotherapie-Praxis (im Anwesen des Stapf) offen.
Um vor allem berufstätige Eltern zu entlasten, ist die individuelle
Förderung von Kindern durch die entsprechenden Fachdienste in allen
Kitas möglich.
4. Vernetzung:
Orte für Familien öffnen sich zunehmend für den Stadtteil.
Bestehende Vernetzungen der Kitas wie z.B. in der Region Langwasser wurden
im Modellprojekt Spielend Lernen des Bündnisses für
Familie intensiviert.
Einzelne Kitas, wie beispielsweise der Kinderhort Wandererstrasse, wurden
selbst initiativ, indem sie zunächst die benachbarte Schule und
Kitas, später in Einbeziehung des Stadtteils, einen einrichtungsübergreifenden
Dialog und Austausch organisierten.
In den Regionen/Stadtteilen entstanden Kooperationstreffen der Kitas
und Stadtteilarbeitskreise, welche die vielfältigen Angebote der
einzelnen Einrichtungen auf die Bedürfnisse der Stadtteilbewohner(innen)
abstimmen, bündeln, koordinieren und weiter entwickeln.
5. Gemeinsame Kooperationsangebote in den Stadtteilen:
Durch den Ausbau von Netzwerken und die fortschreitende Vernetzung der
Stadtteileinrichtungen sind viele Kooperationsveranstaltungen, vor allem
die gemeinsamen Info- und Elternabende der Kitas und mit den Grundschulen
in den jeweiligen Schulsprengeln entstanden. Darüber hinaus wirken
die Kindertageseinrichtungen bei gemeinsamen Kinderaktionen, Straßen-
und/oder Stadtteilfesten mit.
Neben den gemeinsamen Einschulungselternabenden
der Kindergärten
sind insbesondere Kinderhorte an vielfältigen Kooperationen mit
den Grundschulen interessiert. Gegenseitiges Besuchen, Einladen, sowie
gemeinsame und gegenseitige Raumnutzung werden favorisiert.
Beispiel Hort Wandererstrasse: Mama lernt deutsch, ein Schulprojekt,
das die Hortleiterin im Kinderhort durchführt. Auch der Ernährungsführerschein
(AIDS), ein Kinderkurs der Schule, mit einer Abschlussprüfung,
die auch Benimm-, Ess- und Tischmanieren umfasst, findet in den Horträumen
statt. Das gemeinsame Kochen beider Kurse mit der Hortleiterin wird wiederum
vormittags, während des Unterrichts, in den Schulräumen durchgeführt.
Prüfung Mama lernt deutsch
Prüfung Ernährungsführerschein
In der Kita Kerschensteinerstrasse gibt es einen Klassenelternstammtisch.
Die Teilnahme an Lehrerkonferenzen, sowie das Planen gemeinsamer Projekte
mit der Grundschule sind Selbstverständlichkeit.
Weitgehende Kooperation mit der Grundschule finden sich bei den Kitas
in der Grünewaldstrasse. Hier gibt es Schnuppertage der Vorschulkinder
in der Schule mit ihren Klassenpaten, einen gemeinsamen Elterninfoabend
der Vorschulkinder, einen gemeinsamen Elternabend der Erstklässler,
Projekte der Horte mit der Grundschule, Exkursionen von Vorschul- und
Schulkindern, ein Jahrgangstreffen der Grundschule in den Horten, Teilnahme
am Projekt Lebenwelt Konflikt zur Gestaltung von Übergängen,
Teilnahme an Lehrerkonferenzen und im Einzelfall interdisziplinäre
Fachkonferenzen im Kinderhort.
Kooperationsangebote präventiven Charakters entstehen in Zusammenarbeit
mit Polizei, Feuerwehr, Krankenkassen, Ärzten(innen), Therapeuten(innen)
etc. für Kinder, Eltern und Familien. Gemeinsame Info-Veranstaltungen,
Angebote und Projekte entstehen vor allem im Gesundheitsbereich, zur
Unfallprävention und Verkehrserziehung oder Naturerkundungen mit
dem Bund Naturschutz u. ä.
Kooperation schafft auch generationenübergreifende Begegnungen,
indem Kita-Kinder mit Singen und anderen Darstellungen die Feiern und
Feste von Senioreneinrichtungen bereichern, z.B. die Elsa-Spatzen des
Kindergartens Elsa-Brandströmstrasse. Einzelne Kinder des Kindergarten
Hauchstrasse besuchen ältere Menschen in der Senioreneinrichtung
und nehmen an der gemeinsamen Turn- und Singstunde, sowie am dialogischen
Lesen für Jung und Alt teil.
Elternnetzwerke und Netzwerke ehemaliger Eltern eröffnen beispielsweise
Kontakte mit der Wirtschaft. So können die Vorschulkinder der Elsa-Brandströmstrasse
in der nahe gelegenen Landesgewerbeanstalt an Laborführungen und
Experimenten teilnehmen.
Wie geht es weiter: Familienzentren
Einige der als "Orte für Familien" aktiven Einrichtungen entwickeln
sich weiter zu Familienzentren. >>Familienzentren
Träger
Folgende Träger und ihre Fachberatungen unterstützen und beteiligen
sich an der Fortführung des Projektes „Kindertagseinrichtungen als
Orte für Familien":
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